Kulturdenkmal

Das Hessische Landesamt für Denkmalpflege hat Ende 2018 den Schulkomplex, bestehend aus allen Schulgebäuden, dem Schulhof und den Freiflächen aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen als Kulturdenkmal ausgewiesen. In der Begründung wurde insbesondere hervorgehoben, dass die Adolf-Reichwein-Schule der einzige Schulbau Ernst Mays aus der Nachkriegszeit ist, der ein- und zweigeschossige Klassenraumgebäude in Pavillonbauweise beziehungsweise als Schustertyp miteinander kombiniert. Die Anlage ist weitgehend unverändert und in seltener Vollständigkeit erhalten.

Ernst May, zwischen 1925 und 1930 Siedlungsdezernent der Stadt Frankfurt am Main und Hauptverantwortlicher für die Realisierung des Stadtplanungsprogramms „Neues Frankfurt“, war in den Jahren 1954 bis 1970 hauptsächlich mit der Planung und Realisierung städtischer Großwohnsiedlungen beschäftigt. Mit seinem Gesamtkunstwerk zählt Ernst May zu den bedeutendsten deutschen Architekten und Stadtplanern seiner Zeit.

Pavillonschulen stehen für die Abkehr vom Schulbautypus des repräsentativen monolithischen Schulbaus, der sich auf einem meist kleinen innerstädtischen Grundstück über die ihn umgebenden Gebäude der Wohnbevölkerung erhebt. Kennzeichnend für den Schulbautyp der Pavillonschule sind niedrige, dezentrale Flachbauten, die eine Erweiterung der Unterrichtsräume in die Außenanlage hinein zulassen. Laubengänge ersetzen als gebäudeverbindendes Element den durch künstliches Licht beleuchteten klassischen Gang- oder Korridorbereich innerhalb von Schulbauten.

Die Schulbauform des Schustertyps steht ebenso wie die der Pavillonschule für die wegweisenden  reformpädagogischen Ansätze von Offenheit und Naturnähe innerhalb der pädagogischen Architektur, die sich aus dem „Neuen Bauen“ in den 1920er Jahren entwickelte.  Der Schustertyp wurde im Rahmen des Projektes „Neues Frankfurt“ entwickelte und ermöglicht die Erschließung von je zwei Klassenräumen pro Geschoss durch eine mittig angeordnete Treppe, wobei jegliche Flure entfallen. So kann jeder Klassenraum von zwei Seiten belichtet und belüftet werden.

An der Adolf-Reichwein-Schule verbindet ein durchgehender Laubengang den dreistöckigen Hauptbau, in dem sich die von drei Seiten beleuchtete Pausenhalle befindet, mit den beiden zweistöckigen, in Zeilenbauweise errichteten Gebäude und die sechs freistehenden erdgeschossigen Pavillons. Den Pavillons zugeordnet sind jeweils gepflasterte Außenbereiche, die gleichzeitigen Unterricht im Klassenraum, in dessen Vorraum und vor den großen Pavillonfenstern auf dem Außengelände ermöglichen.

In den beiden Gebäude in Zeilenbauweise hat May den Schustertyp so abgewandelt, dass die Treppenhäuser aus der Fassadenflucht herausgebaut sind und somit zwischen den Klassenräumen ein ebener, quadratischer Aufenthaltsbereich entsteht, der ebenfalls für unterrichtliche Zwecke genutzt werden kann.

Entsprechend der Konzeption der Wohnsiedlungen und Schulbauten des „Neuen Frankfurt“ plante Ernst May auch in Heusenstamm weiträumige Freiflächen und Außenbereiche ein, die als Pausen- und Unterrichtsraum im Grünen, mit und in der Natur genutzt werden sollen. Daher realisierte er auch auf dem Heusenstammer Schulgelände eine sich durch bodentiefe Fenster in den Naturraum öffnende Turnhalle, einen Sportplatz, sowie eine Streuobstwiese und ein Schulgarten. Letztere werden noch heute durch die Schülerinnen und Schüler bewirtschaftet und deren Erträge im Rahmen des Projektes „Schüler kochen für Schüler“ verarbeitet.       

52 Jahre nach der offiziellen Einweihung Schule wurde am 27. Juni 2019 die Aufnahme in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen gefeiert und die Denkmalplakette am Schulhaus angebracht, genau in dem Jahr, in dem Deutschland das einhundertjährige Bestehen der Kunst-, Design- und Architekturschule Bauhaus und Frankfurt die Moderne am Main feierte.

Anlässlich der Eintragung unserer Schule in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen sind folgende Beiträge erschienen:

Ein Schulbau wird Kulturdenkmal. Aus den Nachrichten des Hessischen Landesamtes für Denkmalpflege (Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege)

Der Raum als dritter Pädagoge an der Adolf-Reichwein-Schule. Aus dem maybrief der Ernst-May-Gesellschaft Frankfurt am Main e.V. 

Unterricht im Denkmal: Adolf-Reichwein-Schule wird unter Schutz gestellt. Aus der Offenbach Post vom 12. Januar 2019 

 

Anlässlich der Feierlichkeiten zur Eintragung unserer Schule sind folgende Artikel erschienen:

Ein verborgener Schatz: Adolf-Reichwein-Schule steht nun unter Denkmalschutz. Aus der Offenbach Post vom 29. Juni 2019

Kleines Schild, große Symbolik - Kulturdenkmal: Die Adolf-Reichwein-Schule ist ein „Kind“ von Ernst May. Aus der Dreieich Zeitung vom 3. Juli 2019

Am 8. September 2019 haben wir am Tag des offenen Denkmals teilgenommen

Adolf-Reichwein-Schule erstmals dabei. Aus der Stadtpost Heusenstamm vom 18. September 2019.