Gehört es für die meisten Gymnasien zum guten Ton, Schüleraustausche anzubieten, bleibt es Schülern von Haupt- und Realschulen oft verwehrt, solch wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Dagegen ist die Adolf-Reichwein- Schule Heusenstamm ein Beispiel dafür, dass Mut und Engagement trotz vielleicht geringerer Akzeptanz und Motivation, trotz kleinerer Schulgröße sowie Schwierigkeiten bei der Finanzierung, Schüleraustausche mit Unterbringung in der Familie des jeweiligen Partners möglich machen. Dass dies sogar über Jahre hinweg erfolgreich gelingen kann, zeigt unsere Schule: Bereits im Jahr 1968 (vor fast 50 Jahren) startete die erste Schülergruppe, damals noch zusammen mit den benachbarten Gymnasiasten, nach St. Savin im französischen Département Vienne. Auslöser für die Organisation des Schüleraustausches war die Städteverschwisterung zwischen Heusenstamm und St. Savin.

 

 

Schüleraustausch mit frankreich

Die Heusenstammer RealschülerInnen der Klassen 7 bis 9 fahren zusammen mit Jügesheimer Kindern jährlich im Oktober nach Rodez, ca.150 km nordöstlich von Toulouse gelegen, und erleben französisches „savoir-vivre“ hautnah. Neben verschiedenen Ausflügen, z. B. in die beeindruckende Tarnschlucht „Gorges du Tarn“ oder die Bischofsstadt Albi, die zum UNESCO Welterbe gehört, erfahren die Gäste in ihren Gastfamilien ganz nebenbei, wie sich der Alltag in einer französischen Familie gestaltet und polieren ihre Französischkenntnisse auf. Sie nehmen an Schulprojekten teil und erweitern so ihren Horizont auf unterschiedlichste Art und Weise. Begeistert waren sie bis jetzt alle, manche so sehr, dass sie gleich bleiben wollten.

Im Gegenzug kommen die französischen Schüler dann im Mai nach Heusenstamm und Jügesheim und lernen die Eltern ihrer Austauschpartner als Gasteltern kennen. Zusammen mit ihren deutschen Partnern nehmen auch sie an einem Schulprojekt teil, besuchen den regulären Unterricht und gestalten gemeinsam unterschiedlichste Aktivitäten und Ausflüge. Betreut werden die Schüler durch ein Team von Lehrkräften aus Deutschland und aus Frankreich.

Ansprechpartnerin: Frau Olariu

 

Schüleraustausch mit polen

 Ein weitere Ziele für unsere Schülerinnen und Schüler ab Klasse 6: Iława in Polen und Ladispoli in Italien. Das Interessante bei diesen beiden Programmen ist, dass eigentlich keiner die Muttersprache des anderen spricht und trotzdem gelingt die Kommunikation nahezu perfekt! Die Weltsprache Englisch macht es möglich und es ist eine verblüffende Erfahrung für unsere Schülerinnen und Schüler (und nicht nur für die!), dass man tatsächlich mit einem Minimum an Englisch in jedem Land zurechtkommt. Kombiniert mit ein bisschen „Hand und Fuß“ klappt die Verständigung. Im Gegenteil, nach kürzester Zeit unterhalten sich alle in allen Sprachen und dann kann man Europa at its best erleben: unkompliziert, ausgelassen, sehr kreativ und konstruktiv! Der Austausch mit Polen feierte im Jahr 2014 sein 20-jähriges Bestehen. Begonnen hatte alles auf eine Initiative unseres ehemaligen Rektors Herrn Matthias Lippert an der Georg-Büchner-Schule in Rodgau-Jügesheim, wo er früher als Lehrer tätig war. Nachdem er Schulleiter an unserer Schule wurde, trat die Adolf-Reichwein-Schule auch diesem Schüleraustausch bei. Polen ist zwar mit 38 Millionen Einwohnern das zweitgrößte Nachbarland Deutschlands, doch ist es bei vielen hierzulande eine große Unbekannte in unserem Kenntnis- und Reiserepertoire – leider – denn Polen hat unbeschreiblich viel zu bieten. In Schülerprojekten kann den jungen Menschen die Kultur des Landes und die gemeinsame Geschichte näher gebracht werden. Unsere Partnerschule liegt in Iława, dem ehemaligen Dt. Eylau am Rande der wunderschönen Masuren am längsten See Polens, dem Geserichsee, der vielfältige Freizeitmöglichkeiten wie Schwimmen oder Segeln ermöglicht. Geschichtsträchtige Orte wie Danzig, die Westerplatte und die Marienburg sind nicht weit. Unsere Schüler genießen den dortigen Aufenthalt stets in vollen Zügen, da sich die Landschaft erheblich von unserer Heusenstammer Heimat unterscheidet. Womöglich noch existierende Vorurteile gegenüber Polen fallen innerhalb kürzester Zeit wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Begeisterung löst auch stets die dortige Gastfreundschaft aus. Unsere Schüler und die Koordinatoren an unser Schule, Radovan Ruzic und David Schneider, können das bestätigen. Es lohnt sich also in jedem Fall ,Unbekanntes zu entdecken – und dabei viele neue Freunde zu finden!

Gefördert wird der Schüleraustausch durch das DPJW (Deutsch-Polnisches Jugendwerk)

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Ansprechpartner: Herr Ruzic und Herr Schneider
 

Schüleraustausch mit Italien

Last but not least, unser jüngstes „Austauschbaby“: Ladispoli, verschwistert mit Heusenstamm seit 2001. Auf Anregung des ehemaligen Bürgermeisters von Heusenstamm Peter Jakoby nahm die Adolf- Reichwein-Schule 2013 Kontakt mit dem Istituto Corrade Melone auf, einer Art Gesamtschule in Ladispoli, ca. 30 km von Rom entfernt. Nach kurzer Abstimmung per Mail und Internet war klar, wir wagen den Versuch eines dritten Austauschprogrammes und flogen mit einer kleinen Gruppe Jugendlicher aus Haupt- und Realschülern nach Rom. Was wir dort erlebten war unglaublich, unglaublich herzlich, beeindruckend und interessant. Kennen viele von uns Italien als Urlaubsland, so lernten wir unsere Nachbarn im Süden noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen: Wie der Schulalltag abläuft, wie sie zu Hause leben, arbeiten, essen, feiern, miteinander und mit anderen umgehen und auch, dass das Leben nicht nur aus Dolce Vita besteht. Kulinarisch und kulturell ist Italien kaum zu schlagen, Vatikan, Kolosseum, Piazza Navona, Pantheon, Fontana die Trevi, Cerveteri mit Banditaccia, Civita die Bagnoregio, Villa Farnese – Europäische und Römische Geschichte vom Feinsten im Schnelldurchlauf. Auch abends viele gemeinsame Unternehmungen, gemeinsames Essen und Feiern mit viel Musik. Als unsere neuen Freunde dann nach Heusenstamm kamen, war die Wiedersehensfreude groß und wir erkundeten gemeinsam unter anderem die Wolkenkratzer von Frankfurt, unternahmen eine Drachenboottour auf dem Main und besuchten den Rheingau mit Gondel, Sessellift und Schiff. Auch die Landeshauptstadt Wiesbaden durfte auf dem Programm nicht fehlen. Bevor es auf den Neroberg ging, empfing uns der Abgeordnete Herr Ismail Tipi im Hessischen Landtag. Wir erfuhren, dass für uns Alltägliches für andere besonders sein kann, z.B. die ausgedehnten Waldgebiete um Heusenstamm und Frankfurt. Manchmal öffnet einem erst ein anderer die Augen für die Schönheit des Selbstverständlichen und Naheliegenden. Schule gab es auch: Es wurde gemeinsam Englisch gelernt und in unserer Schulküche gekocht  – und gegessen natürlich auch.

Wir hoffen, dass diese Zeilen neugierig machen und dazu führen, dass auch in den kommenden Jahren diese tollen Angebote Anklang finden, denn die jungen Menschen machen wertvolle Erfahrungen fürs ganze Leben. Und fragt man am Ende einer Schullaufbahn, was denn so die wichtigsten Erlebnisse der Schulzeit waren, wird man nicht selten hören: „Damals, als ich beim Schüleraustausch war, das war wirklich super, das hat mir echt was gebracht, da habe ich …. „

Ansprechpartner: Herr Weiser